4:1 - INTER überzeugt zum Auftakt in Hohenstein-Ernstthal

INTER Leipzig startet mit einem klaren 4:1-Sieg beim VfL Hohenstein-Ernstthal in die Rückrunde. Neuzugang Arlind Shoshi mit drei Toren und Christopher Misaki mit einem markierten die Treffer für die Messestädter. Max Gehrmann war für die Hausherren vor 205 Zuschauern erfolgreich, denen ein sehr ansehnliches Oberliga-Spiel geboten wurde. Wie schon im Hinspiel (5:1) lässt das Team von Trainer Heiner Backhaus den Erzgebirglern keine Chance, verkürzt den Abstand auf die Ligaspitze auf fünf Punkte und bleibt damit den führenden Clubs Chemie Leipzig und FSV Luckenwalde weiter dicht auf den Fersen.

So richtig wussten beide Teams vor der Begegnung nicht, wo sie stehen. Der VfL hatte wetterbedingt nicht so viel testen können, wie es Trainer Russi Petkov lieb gewesen wäre. Inter ging nach Wechseln in der Winterpause mit einem auf mehreren Positionen neuformierten Kader an den Start. Zwar hatten die Backhaus-Schützlinge zuletzt im Testspiel gegen den Regionalligisten aus Neugersdorf (2:1) vor allem spielerisch überzeugt, doch was das letztlich wert war, musste sich nun im Nachholspiel in der Karl-May-Stadt zeigen. Der Kunstrasenplatz im Sportzentrum von Hohenstein-Ernstthal präsentierte sich in bester Verfassung, dazu kamen tolle äußere Bedingungen bei blauem Himmel, Sonnenschein und fast 15 Grad. Einige Leipziger Schlachtenbummler hatten sich garderobenseitig völlig verkalkuliert und warfen schwitzend eine Winterpelle nach der anderen ab.

Ins Schwitzen kommen auch die Leipziger auf dem Rasen. Beide Teams halten sich nicht lange bei der Vorrede auf und treiben das Leder in Hochgeschwindigkeit über den Platz. Vom Tabellenplatzunterschied Dreizehnter gegen Dritter ist in den ersten Minuten nicht viel zu sehen. HOT spielt mit und setzt Inter unter Druck – was nicht ohne Folgen bleibt. Bei einem Freistoß in der 9. Minute zeigt sich die Leipziger Innenverteidigung nicht auf der Höhe und kassiert das 0:1 durch Max Gehrmann, der die Kugel letztlich unbedrängt ins kurze Eck köpfen kann.

INTER braucht ein paar Minuten, um den Rückstand zu verdauen, bekommt dann aber zunehmend die Zügel in die Hand. Angriffsdruck kommt vor allem über die linke Seite, auf der besonders Christopher Misaki ein Riesenspiel macht. Er treibt den Ball immer wieder nach vorn, bedient von außen das Sturmzentrum. Dort stehen seit der Winterpause zwei Neue: Der Österreicher Christian Hackl und Arlind Shoshi, Neuzugang vom VfB Auerbach. Während Hackl heute noch auf seinen ersten Treffer warten muss, kann sich Shoshi gleich dreimal in die Torschützenliste eintragen. Er besorgt den Ausgleich in der 21. Minute und erlöst seine Mannen – mit Coach Backhaus an der Spitze – die zunächst fassungslos zusehen müssen, wie der Ball etwa einen Meter vor der Torlinie trotz viermaligem (!) Versuch einfach nicht ins Tor will (20.).  Eine Minute später kommt der furiose Misaki zu Ehren, der einen herrlichen Angriff zur Führung vollendet. INTER hat das Spiel gedreht, bekommt deutlich mehr Sicherheit in die eigenen Aktionen. Nun folgt ein fast offener Schlagabtausch, im Minutentakt donnern die Angriffsreihen beider Teams aufs jeweilig gegnerische Tor. Besonders INTER hätte jetzt den Sack zu machen können, ja müssen. Shoshi hat gleich zwei Riesenchancen, kann in der 33. Minute eine scharfe Hereingabe seines Sturmpartners Hackl nur knapp nicht verwerten. Dann trifft der Kosovo-Albaner ins Tor, doch Schiri Richard Lorenz sieht eine Abseitsstellung. Auf der anderen Seite versuchen sich Mike Georgi und Roy Blankenburg mit Fernschüssen, die aber übers Tor gehen (Georgi) oder von Kyriatzis im INTER-Tor mit einer Glanzparade entschärft werden. Nachdem auch Tsonathan Moutsa einen, allerdings erfolglosen, Schuss aus 20 Metern beisteuert (43.), bittet Schiri Lorenz zum Pausentee.

Der zweite Durchgang beginnt zunächst wie der erste: Gleich wieder mächtig Bewegung auf dem Feld. Marcelo testet HOT-Keeper Petkov aus spitzen Winkel, doch der ist auf dem Posten (59.). INTER versucht es dann tatsächlich auch mal über rechts, doch die schöne Flanke von Moutsa bleibt ohne Vollendung. Jetzt schalten beide Mannschaften einen Gang zurück, besonders den Hausherren scheinen nun die Kräfte zu schwinden. Sie lassen sich tief in die eigene Hälfte fallen, überlassen den Gästen das komplette Mittelfeld und versuchen sich mit Kontern. Die INTER-Fans wollen jetzt endlich das 3. Tor, nicht zuletzt zur Beruhigung des eigenen Nervenkostüms. Manch einer ist in Gedanken schon beim Spitzenspiel in der kommenden Woche gegen Tabellenführer FSV Luckenwalde. Wenn das Sinn machen soll, müssen drei Punkte herausspringen aus dem Duell im Erzgebirge. Stattdessen bleibt ihnen fast das Herz stehen, als ein Querschläger den gerade eingewechselten Michael Neubert frei vorm LEEREN Tor in Schussposition bringt – doch der verzieht.

Vielleicht war das klassische Weckruf. INTER schaltet jetzt einen Gang hoch und übernimmt wieder die Initiative. Mittlerweile ist Giannis Kantartzis für den sehr guten Christian Hackl im Spiel, die Angriffsmaschine hat neuen Schwung. Ein kraftvoller Angriff der Leipziger endet mit einem Pfostentreffer, den Abpraller nimmt Arlind Shoshi auf und vollendet zur 3:1-Führung – das Spiel ist entschieden, HOT gibt sich nicht auf, doch INTER lässt keine Luft mehr ran. In der 83. Minute ist es wieder Arlind Shoshi, der den 4:1-Endstand aus Leipziger Sicht herstellt. Backhaus lässt nun auch die restlichen Neuen – Patrick Hädrich, ehemals Rot-Weiß Erfurt – und den Portugiesen Cande Braima von der Leine. Beide mischen gleich heftig mit im Angriffswirbel, doch noch ein Gegentor mehr würde der Leistung der tapferen Erzgebirgler dann doch nicht gerecht.

Seine Mannschaft habe das Konzept gegen den Favoriten gut umgesetzt. „Zumindest in den ersten zwanzig, dreißig Minuten“, sagte HOT-Coach Russi Petkov nach dem Abpfiff. Dann habe sich die spielerische Klasse von INTER durchgesetzt und am Ende hätten seinen Jungs auch die nötigen Körner gefehlt.

INTER-Cheftrainer Heiner Backhaus war sehr zufrieden mit dem Auftritt seiner Truppe. „Das war ein schöner Einstieg in die Rückrunde.“ Er sei zwar mit der Chancenverwertung in der ersten Halbzeit nicht zufrieden – „wir hätten noch drei, vier Tore machen müssen“ -, aber insgesamt sei das eine sehr gute gute Leistung im Auswärtsspiel gewesen, so Backhaus.

Nun richten sich alle INTER-Augen auf den kommenden Sonntag, wenn um 13 Uhr im Torgauer Hafenstadion das erste Heimspiel der Rückrunde angepfiffen wird. Der Gegner dann: Tabellenführer FSV Luckenwalde.