Durchblick im Nebel bewahrt: 4:0 gegen Union Sandersdorf

Mit einem 4:0 gegen gegen die SG Unions Sandersdorf verabschiedete sich INTER Leipzig für dieses Jahr aus dem Torgauer Hafenstadion. 120 Zuschauer sahen ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Spiel unserer Ersten – mit Wetterkapriolen, verspätetem Beginn, tollen Toren und einer freudigen Heimkehr.

Zehn Minuten vor Beginn fühlten sich die Zuschauer eher in London als in Torgau: Dicke Nebelschwaden waberten von der Elbe kommend durch das Stadion, legten sich innerhalb von Minuten so dicht durch über den Rasen, dass man die buchstäbliche Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte. Der Blick von einem Tor zum anderen war auf jeden Fall versperrt. Mulmig raunte es durch die Zuschauertribüne: Kann das Match überhaupt abgepfiffen werden? Kapitän Kim hatte seine Jungs bereits aufs Feld geholt, INTER wollte spielen. Schiri Tino Stein begutachtete das Terrain, blieb gelassen und entschied: Abwarten.

Die Geduld wurde belohnt, das Wetter klarte auf – so plötzlich wie er gekommen war, verschwand der Nebel wieder und gab den Blick auf das Spielfeld frei. Schiri Stein bat mit gut zehnminütiger Verspätung zum Anstoß. Als wollten sie den Verzug wieder aufholen, begannen beide Teams wie die Feuerwehr. INTER machte vor allem über die linke Seite mit Christos Iereidis mächtig Druck, den Angriffsaktionen fehlten vor dem Tor aber noch Präzision und Wumms. Adrian Bravon scheiterte in der 10. Minute gleich zweimal mit einem Kopfball und einem anschließend abgeblockten Schuss. Sandersdorf spielte unerschrocken mit, hatte seine beste Gelegenheit in der 14. Minute, als Stefan Ronneburg frei vor Dimi Kyriatzis auftauchte, den Ball aber über das Tor hämmerte.

Nach 15 Minuten hatte sich das Spiel die Hörner abgestoßen, die Power war erstmal raus. Das Geschehen verlagerte sich nun zunehmend ins Mittelfeld, Union blieb mit Kontern gefährlich, hatte phasenweise mehr vom Spiel. Inter weiter mit Druck eher über die linke Seite, Torraumszenen waren jetzt rar. Robert Rode versuchte es mit einem listigen Heber aus 25 Metern – knapp drüber (33.) Das Spiel fesselte nun nicht mehr. Bis zur 39. Minute …

Mit einem Doppelschlag aus dem Nichts sorgte INTER wieder für Begeisterung bei seinem Anhang: Freistoß Tsonatan Moutsa von der linken Seite mittenrein ins Gewühl, Durcheinander – und ein Mann an der richtigen Stelle: Mit der Hacke beförderte Adrian Bravo das Leder ins Sandersdorfer-Tor. Treffer Nummer 15 für den INTER-Knipser (39.).

Zwei Minuten später umgekehrte Konstellation: Marcelo Franceschi hatte den Ball am eigenen Strafraum erobert, stürmte daraufhin unwiderstehlich über das gesamte Feld an die Gästebox und bediente Bravo, der wiederum von Grundlinie quer passte und damit die gesamte Union-Abwehr aushebelte. Nutznießer diesmal Mouca, der den Ball überlegt ins Tor hob (41). Danach Pausenpfiff, in der Union-Kabine soll es laut geworden sein.

INTER kam nach der Pause besser ins Spiel, Union kann noch eine Weile mithalten (Breitkopf, 50.). Schreckstarre für die Gastgeber in der  54. Minute: Ray Aschenkewitz verschätzt sich bei einer Rückgabe auf Kyriatzis, doch Denis Zivcec kann die ungewollte Vorlage nicht verwerten – Dimi ist auf der Hut. Mit zunehmender Spielzeit kann Sandersdorf das Tempo nicht mehr mitgehen. Als Dongmin Kim wieder einen Konter freistehend mit einem wuchtigen Schuss zum 3:0 abschloss, war klar: INTER hat das Match im Sack. Premiere für den Kapitän – der sein erstes Tor in der laufenden Saison erzielte. Es sollen Wetten einzulösen sein …

Für das Highlight des Tages sorgte dann der Spieler mit dem „kürzesten“ Namen im INTER-Team: Juan Jose Serrano de la Cruz erzielte in der 65. Minute das 4:0 – mit einem Traumtor. Von der linken Seite nimmt er den Ball auf und zirkelt ihn unhaltbar über Unions Keeper Tom Niclas Hermann in das rechte Dreiangel. Auch für den Spanier das Premierentor.

Die Partie war entschieden, die Highlight-Liste aber noch nicht abgeschlossen: In der 70. Minute fröhlicher Beifall für die Einwechslung des Tages. Jean Bosco Makengo kam für Christos Iereidis aufs Feld. Für den schmerzlich vermissten Offensivmann der Gastgeber eine dreieinhalbmonatige Verletzungspause. Coach Heiner Backhaus erwartet Großes von ihm in der Rückserie.

Dann war Schluss. INTER hatte im letzten Heimspiel des Jahres eine ordentliche Leistung abgeliefert, bleibt als Dritter der Oberliga-Tabelle  der Spitze weiter auf den Fersen und hat mit seiner Spielweise sein Publikum auf Betriebstemperatur gehalten. Das war auch bitter nötig angesichts der äußeren Bedingungen: Das Hafenstadion war mittlerweile zu einem Eiskeller mutiert. Die Tische im Biergarten und selbst die bereits aufgebauten Namensschilder des INTER-Fantalks waren von einer dicken Reifschicht überzogen. Auch dem Letzten war jetzt klar: der Winter naht …