Spiel der Extreme und Sieg des Willens - 1:0 bei Einheit Rudolstadt

„Weiter, weiter, immer weiter“ – wenn diese Fußballweisheit von Torwarttitan Oliver Kahn je eine Berechtigung hatte, dann bei diesem Spiel unseres Oberliga-Teams bei Einheit Rudolstadt. Die Truppe von Trainer Holger Jähnisch galt vielen in der Liga als Angstgegner von Inter, denn die Messestädter hatten noch nie gegen sie gewinnen können. Doch damit ist es nun vorbei: Am Samstag erspielte und erkämpfte sich Inter Leipzig einen 1:0-Sieg, wenn auch in fast letzter Minute.

Dass es gegen die sperrigen Thüringer nicht einfach werden würde, war von vorn herein klar. Doch es wurde ein Spiel der Extreme: Für die Nerven von Spielern und Trainerteam, für die Geduld der Fans – und für die Uhr des Schiedsrichters.

Gleich zu Beginn sorgte der Robin Enkelmann für Erstaunen: Weil bei zwei Inter-Spielern ein millimeterbreiter schwarzer Streifen zwischen Stutzen und Fußballschuhen hervorlugte, schickte der Schiri beide vom Feld zum „Umziehen“. Warten wollte er nicht und pfiff an – Inter startete also mit neun Mann. „Hast Du sowas schon mal erlebt“, fragte Heiner Backhaus fassungslos lächelnd an der Linie. Das Garderoben-Problem ließ sich schnell lösen, Inter wieder komplett und danach von Beginn an komplett überlegen. Die Gastgeber hatten sich ein ein Defensivkonzept mit mehreren Teilen ausgedacht, wollten wohl von Beginn an das 0:0 halten. Auf dem Platz warteten sie mit einer Sechser-Kette auf, bewegten sich kaum aus der eigenen Hälfte und kamen entsprechend oft gefährlich vor das Tor von Dimitris Kyriatzis: Nämlich gar nicht.

Im gesamten Spiel landete eine Chance auf dem Zettel des Berichterstatters – mit viel Wohlwollen – und auch diese wurde sichere Beute vom Griechen im Inter-Gehäuse. Die Defensivtaktik der Gastgeber setzte sich auch neben dem Platz fort: Es gab offensichtlich nur drei Spielbälle und keine Balljungen. Ging ein Schuss neben das Gehäuse, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit bis das Leder wieder im Spiel war. Die Thüringer ließen sich dabei soviel Zeit, dass die Inter-Jungs schließlich in mehreren Situationen selbst losstiefelten und den Ball für die Gastgeber aus dem Off holten.

Inter ließ sich nicht beirren und erspielte sich Chance um Chance, Adrian Perez hatte gleich mehrfach die Führung auf dem Fuß. Höhepunkt dann Moucas Pfostenknaller in der 25. Minute. Doch nach den ersten 45 Minuten ohne Tor war klar, hier müssen wir über die volle Distanz gehen, ein Tor würde das Spiel entscheiden. Nach 60 Minuten stand es immer noch 0:0, der Abwehrriegel der Gastgeber hielt stand.

Doch Inter fightete weiter, gab alles und wollte diesen Dreier! Im Angriffsgetümmel vor dem Einheit-Tor knallten Kim und Adrian Bravo mit den Köpfen zusammen – Adrian musste verletzt vom Feld. Heiner Backhaus brachte mit Artem Cygankov, Aimable Nzabahoza und Frank Baidoo drei frische Leute, wollte den Druck weiter aufrecht erhalten. Ein Tor musste her – dann wäre das Spiel entschieden. Die Uhr tickte unbarmherzig herunter, die Dramatik steigerte sich. Auf dem Rasen wurde es jetzt nickelig, immer öfter musste das Spiel wegen Verletzungspausen unterbrochen werden. Schiedsrichter Enkelmann hatte alle Hände voll zu tun, allerdings nicht immer ein glückliches Händchen bei seinen Entscheidungen.

In der 90. Minute riskierte Heiner Backhaus alles und schickte seinen Abwehrchef Basti Strietzel in den Sturm. Der ließ sich nicht zweimal bitten und schaltete sich in DEN entscheidenden Angriff ein. Ein Pass vom sehr guten Robert Rohde von rechts aufnehmend, überlistete er Einheit-Keeper Max Bresemann mit einem klugen Schuss ins lange Eck. 1:0 für Inter. Während die Spieler auf dem Feld in einer großen Jubeltraube versanken, hielt es keinen mehr auf der Bank, der gesamte Staff samt Auswechselspieler brüllte jubelnd die Anspannung dieser unglaublich nervenzehrenden 90 Minuten heraus.

Aber das Spiel war immer noch nicht zu Ende. Fünf Minuten ließ Enkelmann nachspielen, plötzlich hatten die Rudolstädter auch Interesse am Ballholen und versuchten das Unmögliche möglich zu machen und noch den Ausgleich erzielen. Doch vergeblich: Nach mehr als 100 Bruttospielminuten pfiff der Schiri die Partie ab, der Bock war umgestoßen und Rudolstadt in der Oberliga-Süd endlich besiegt. Inter hatte sich bis zum Schluss nicht aufgegeben, rückte auf Platz zwei in der Tabelle vor und bleibt weiter ungeschlagen.

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